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Stopfgemüse

25. Aug.
2 Min. Lesezeit
getrocknetes Gemüse zum Füllen

Ich sag‘s gleich, mein Verhältnis zu gefülltem Gemüse ist nicht gut. Ambivalent wäre ein Euphemismus, Ekel übertrieben – aber ein gesunder Abstand verhindert schlimmeres.

 

Kindheitserinnerungen an gatschiges Essen. Letscherte (öster. für sehr weich, strukturfrei) grüne Paprika in einer dicken Tomatenpampe. Schlimmer war nur Scheiterhaufen… auch ein Gatsch.

Das einzige Essbare war die Füllung, die dann aber ständig in diese grausliche Sauce plumpste, die mit zu viel Stärke montiert eher als Wurfgeschoss für uns Kinder in Frage kam. Meine Oma verzeihe es mir – sonst war sie eine fantastische Köchin, aber bis heute winkt ein kalter Schauer über die Schulter, wenn ich an ihre Trikolore-Paprika denke.

 

Es wurde auch danach nicht besser. Studentenmensa – gefüllte Zucchini – Gatsch mit mehr Gatsch. Schock – die Mediterranen machen auch Stopfgemüse. Farci en francais, ripiene in italiano. Naja, kulinarische Gerechtigkeit, wieso sollten deren Kinder nicht auch leiden.

 

Dann durfte ich eines Tages an einer Tafel mit türkischen Delikatessen Platz nehmen und man reicht mir Gemüsekonfekt. In aufwendigster Manier werden Tomaten, Melanzani und Paprika ausgehöhlt, auf Schnüre gezogen und getrocknet.

Das Arrangement sieht aus, wie eine Modekette, hält ewig und bietet eine kompakte Hülle für eine delikate Fülle. Bevor das Gemüse abtrocknet, finden sanft säuernde Fermentationsprozesse statt. Ein Traum!

 

Die osmanische Küche hat viele bedeutsame Spuren in der Wiener Küche hinterlassen. Die Wiener sind bekannt für ihre Strudel, Blätterteig-Gebäck wird international sogar als Viennoisserie bezeichnet.

Alles kulturelle Aneignung aus der Levante, die bei gefüllten Paprika nur unzureichend funktioniert hat, ächzte ich unlängst in einer Augora Runde.

 

Worauf unsere Kollegin Tara meinte, „Du solltest mal meine probieren“.

Der Kampfansage wurde stattgegeben, kommt Tara doch mit allen Voraussetzungen, die es braucht, um hier zu reüssieren.

a) sie kommt aus einem Land, dass viele Jahrhunderte lang unter osmanischer Fuchtel stand

b) sie ist eine fantastische Köchin

 

P.S:

Eine synchrones Balkan-Flankenmanöver veranlasste unlängst eine Freundin mit kroatischen Vorfahren zum Auftragen von Punjene Tikvice, kleine dralle Zucchinis, feinst ausgehöhlt und gefüllt.

Kein Gatsch - einfach nur unglaublich gut.

 

Jetzt sind nicht mal die Kinderheits-Ess-Tabus tabu?!

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