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Ein Marathon


Am Sonntag sind 40.000 Menschen an meiner Haustür vorbeigelaufen. Den ersten 5.000 hab ich noch kräftig applaudiert, bis meine Hände in Signalfarbe leuchtend um Pause flehten. Gut, gemma Mittagessen.

 

Schließlich ist Verdauung auch Langstrecke. 8 Meter legt jeder Bissen zurück. In diesen versucht der Körper alles aus der Nahrung rauszuholen, was verwertbar ist, bevor er es entsorgen.

 

Dieser Kraftakt braucht natürlich Helfer. Jene, die am Wegesrand anfeuern, Wasser reichen, die Bahn freihalten und den Mist wegkehren. Diese Art der Anschubhilfe gibt es in der Verdauung auch. ENZYME

 

Ohne sie wäre Essen wie die Durchschreitung des Wadi-Rum im Sandsturm. Eine trostlose Plage.

Bereits in unserem Speichel sind Enzyme, sie zerlegen Stärke in Zucker. Sie müssen ihnen aber eine Chance geben. Wer sein Essen gleich hinunterwürgt, statt gut zu kauen, startet unaufgewärmt ins Verdauungsrennen.

 

Der Magen geht es dann nämlich nicht zimperlich an. Wie ein Mafia-Cleaner versucht er alles mittels Säurebad zu zerlegen. Als Henchmen fungieren Pepsine. Die Enzyme fürs Grobe. Sie versuchen die Protein-Brocken zu zersägen.

 

Dann wird alles Weitergeschoben richtig Dünn- und Dickdarm. Der Ausdauerteil beginnt, was im Magen nicht erledigt wurde, kann jetzt folgenschwer werden.

 

Hat unser Marathonläufer gar gemeint mit einem Proteinshake seine Leistungsfähigkeit auf Billig anzukurbeln?

Pylorus, der Pförtner zwischen Magen und Darm lässt erbarmungslos den Schleusenhebel offen. Mit dem Protein-Overkill sollen die im Dickdarm sich plagen. Vor zwei Wochen erst, zu Ostern hat der da oben so viele Eier gegessen, das wurde ähnlich geahndet. Protein-Blähungen, zu wienerisch –Eierschaas.

 

Darmbakterien sind wie Kühe. Ihre Spezialität ist die Verwertung von pflanzlichen Fasern, Ballaststoffen. Wenn jetzt aber Protein ohne Faser daherkommt, rächen sie sich mit übelster Geruchsbildung. Versuchen Sie also nicht, den Körper auszutricksen mit einer Protein-Direkt-Infusion, gar noch gepaart mit Laktosepulver – es sei d

enn sie wollen für das nächste Loch in der Ozonschicht verantwortlich sein.

 

Needless to say, jede Art der Fermentation ist im Reich der Pepsis (*altgriechisch für Verdauung; der Name Pepsi Cola leitet sich davon ab) gern gesehen. Stellt sie doch eine Entlastung der Bakterien & Enzym Workforce dar.

Vor allem im Proteinbereich ist Tempeh, Misos und anfermentiertes Fleisch (Umami Rub, Shoyu oder Misos, wenn unpasteurisiert) wie eine Wadl-Massage bei Kilometer 22.

Damit Tofu demnächst auch in diesem präbiotischen Kreis Platz nehmen darf, arbeiten wir derzeit an Stinky Tofu, also fermentiertem Tofu. Stinkt fürchterlich im Machen, aber sie danach um so weniger. Schmeckt köstlich! We keep you posted.


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