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Cedronat



Ein derzeit angesagter Witz meiner Tochter:

Was ist grün und schaut durchs Schlüsselloch? Spionat.

 

Aber: Was ist giftgrün und versaut den Stollen?

Zitronat

 

Jeder kennt das widerlich pickige Zeug, dass in Stollen und Keksen und bei den Italienern gerne im Eis landet. Aber noch keiner ist mir begegnet, der es tatsächlich gut findet.

 

Viele akzeptieren es als Faktizität des Lebens: 

  • Willst Du den Mann heiraten, dann heiratest Du seine Mutter mit

  • Wer die ganze Nacht bechert, hat am nächsten Tag tierische Begleiterscheinungen

  • Und offenbar: Orangeat und Zitronat gehören in einen Stollen & in eine Cassata

     

Mit chirurgischer Rosinenpicker-Akribie entfernt man dann jedes einzelne Stückchen. Wird es gar beigemengt, damit man langsamer isst?

 

Tatsächlich ist Zitronat köstlich!!!! … wenn man es selber macht. Die riesigen Zitronatszitronen (Cedri) sind nicht nur roh als Salat (dünn gehobelt mit etwas Olivenöl und Salz) eine Herrlichkeit, sondern lassen sich durch Kandierung bis nur nächsten Christstollen-Saison konservieren…. Vorausgesetzt man nascht sie nicht weg, weil sie so gut sind:

 

  1. Zitronatszitronen halbieren und das Fruchtfleisch herauslösen

  2. Die Schale in 1cm dicke Schnitze schneiden und in Kochtopf werfen

  3. Mit Hilfe eines Messbechers soviel Wasser einfüllen, dass die Schalen bedeckt sind (dabei merken, wieviel Wasser man dazugeschüttet hat)

  4. Dann die 1 ½-fachen Menge des Wassers in Zucker hinzufügen

    (1 Liter Wasser: 1,5kg Zucker etc)

  5. Aufkochen und 2 Minuten leicht köcheln lassen

  6. Abdrehen und zur Seite schieben

  7. Diesen Prozess über 4 Tage täglich wiederholen, bis die Zitronatsschalen glasig sind

  8. Herausnehmen und trocknen (bei Raumtemperatur auf einem Gitter oder wer hat im Dörrgerät)

  9. Kosten... und über die Geschmackskomplexität staunen

 

Wem das zu mühsam ist, der findet fertiges Cedronat bei uns.

Wer es aber selber probieren möchte, wir haben noch einige Zitronatszitronen unverarbeitet lassen. Eile ist geboten, bevor sie unters Messer kommen.

Der aufmerksame Leser fragt sich nun, was passiert mit dem Fruchtfleisch... das verarbeiten wir zu einer Crema di Cedri , sprich mit etwas Zucker so lange einkochen, bis es ganz cremig-dick ist. Fast noch herrlicher!!!

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