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Es möge Erdäpfel regnen

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Aus Sicht eines Oberösterreichers ist die Tatsache befremdlich, dass die heimische Scholle nicht immer schon Erdäpfel gebar.

 

Definiert sich der Oberösterreicher doch über Gerichte wie Erdäpfelkas, Schupfnudel, Erdäpfelknödel & -gulasch.

 

Nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, dass isst er nicht“ hatte sie es nicht leicht Fuß zu fassen.

 

Von den spanischen Kolonisten nach Europa entführt, war sie anfänglich primär ob ihrer schönen Blüten geschätzt und angebaut. Das, was heute Zeile um Zeile auf Äckern wächst, wurde in Klostergärten gehätschelt, diente als Zierde auf Festtafeln und steckte sich schon Marie Antoinette ins hochtoupierte Haar.

 

Gekostet hat man sie wohl und schnell wieder abserviert. Das mag daran gelegen sein, dass man die Blätter, Samen und die rohe Knolle aß.

Aber auch der Triumph der gekochten Version ließ auf sich warten.

 

Die Kirche wetterte gegen die Teufelsäpfel, die satanisch-unterirdisch wuchsen. Sie verursachen Kriege und Wollust, Tuberkulose und Syphilis. Sogar für Fettleibigkeit zeichnete sie verantwortlich. Die englische SPUD Gesellschaften widmete ihr Tun primär der Verhinderung der Ausdehnung der Unwholesome Potato.

 

Erst unruhe-stiftende Hungersnöten Ende des 18 JH veranlassten die Obrigkeit den Anbau von Erdäpfeln zu erzwingen. Widerwillig und als Arme-Leute-Essen stigmatisiert, dominierte sie schnell den Speiseplan. Zum Frühstück Bramburi, zu Mittag Erdäpfel und am Abend Grundbirnen.

 

Aus unserer Küche nicht wegzudenken. Vielseitig variierbar, gekocht, frittiert, gratiniert oder gebraten, verschließt sie sich keiner Zubereitungsart. Nur den gierigen Schnell-Reinbeißer lässt sich unbefriedigt zurück. Das ist auch der Grund, warum sie sich als Ferment nicht eignet. Aber wozu auch, sie ist ja schon basisch und sehr bekömmlich.

 

Wer mehr darüber wissen will, dem darf ich die Lektüre "Es möge Erdäpfel regnen" empfehlen. Fantastisch.

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