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Kohl reden


„Rede keinen Kohl“, sagt man bei uns eigentlich nicht. Da heißt es eher „rede keinen Topfen“ oder gleich in direkter Ansprache: „red kan scha****s“

 

Und weil man bei uns keinen Kohl redet, wurde der Name Kohl aus dem wichtigsten Vertreter der Gattung gestrichen und heißt jetzt:

Kraut

 

 Die babylonischen Kohl-Verwirrung unter der Lupe:

  

In Belgien ist man stolzer Namensgeber der Chou de Bruxelles.  (Brussels sprouts, cavolini di Bruxelles). Die Österreicher haben ihre EU Skepsis vor langer Zeit schon antizipiert und in der Kohlsprosse ist kein Hinweis auf die EU Hauptstadt.

Blumiger wird er in Deutschland als Rosenkohl bezeichnet, aber auch ohne Brüssel.

 

Die Blume unter den Kohls ist jedoch der Blumenkohl. Darin sind sich alle einig. Der Chou-fleur, Cauliflower und der Caviolfiore. Nur im Österreichischen war man schlampert und hat aus dem Italienischen kurzerhand den Karfiol abgeleitet. Ausgeblumt!

 

Auf Kohl's Rücken ausgetragen wurden auch die Entmonarchisierung Italiens. Man hat sich nicht nur des Hauses Savoyen entledigt, sondern auch deren Namen im Gemüse getilgt.

Der Savoykohl scheint namentlich nur in Ländern geblieben, die auch heute noch eine Monarchie haben. Englisch: Savoy cabbage, Hollländisch: Savooiekool und auch die Schweden nennen ihn Savoykal. Die entmonarchisierten Länder entgegnen mit maximalen Pragmatismus: Cavolo verza (I), Wirsing (D), Chou-Vert (F) und der Österreicher nennt in „Kähch", was eher ein

 

Nur beim Chinakohl sind sich dafür alle einig. Der wird in Europa von niemanden beansprucht (Chou chinoise, cavolo cinese)

 

Womit wiederum bewiesen wäre: Auch Gemüse ist politisch. 

 


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