Mikrobiell einsam
- Augora Fermente

- 2. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Das Mikrobiom ist in aller Munde. Nicht nur sprichwörtlich, sondern auch in echt.
In unseren Körpern gibt es unzählige Universen, die alle mit einer höchst individuellen, mikrobiellen Zusammensetzung aufwarten. Das Hautmikrobiom, das Darmmikrobiom oder eben auch das orale Mikrobiom.
Unser Gefühl der Einzigartigkeit wird von unserer Bakterien-Komposition weitgehend getoppt. Zur Verbildlichung & stark stereotypisiert:
Rein oberflächlich betrachtet leben in Szeged und in Kufstein Menschen. Neben offensichtlichen Unterscheidungen wie Geschlecht, Haarfarbe etc. unterscheiden sie sich aber auch hinsichtlich Geländegängigkeit, Zungenfertigkeit, Chilischärfe-Toleranz, Schmelzkäse-Konsumations-Resilienz und natürlich Ausprägung der Schädeldicke.
So dürfen wir uns auch die Mikrobiome vorstellen. Das Ganze ist dazu auch noch dynamisch und ändert sich ständig.
Entschließt sich etwa der Kufsteiner nach Szeged zu ziehen, kann dies eine friedliche Integration zur Folge haben – auch er isst jetzt mehr Papriziertes, tauscht die Polka gegen den Csardas und die Kehllaute gegen szegediner Lisp. Oder er macht einen Mords-Bähö (= österr. Aufsehen, Tumult) und besteht auf Krapfen statt Langos, verwehrt dem Szegediner den Paprika und jodelt laut das Kufsteinlied.
Actio=Reactio… so oder so ... Szeged muß reagieren. Hausarrest, Exilierung oder doch Adaption… vielleicht ist der eine oder andere Spleen des Zua’greisten auch in der Puszta von Vorteil.
Aus der Mikrobiom-Forschung lernen wir, dass der rebellische Tiroler wichtig ist. Eine gesunde Immunabwehr ist stets wachsam und wird lernen mit Widrigkeiten umzugehen. Ist es zu harmonisch, werden auch Bakterien faul und träge. Und das wäre nicht gut, wenn auf einmal 50 Tiroler am Stadttor von Szeged pumpern und alle Szegediner lieber vor der Glotze sitzen bleiben.
Also, werfen Sie ihre helikopter-überwachte Ernährung über Bord. Essen sie Dinge, die „edgy“ und bitter sind. Fordern sie ihr Mikrobiom heraus, damit es nicht weiter sozial verarmt, sondern hoffentlich neue Freunde macht. Diversität ist wichtig, in Szeged, in Kufstein & in unserem Darm.
Hier ein ganz toller Artikel über das Mikrobiom im Erdreich.




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