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Orthogeusie


Die Wiener Küche verdankt ihren Ruhm primär den Einflüssen derer, die heute nicht mehr als österreichisch gelten: Dem großen kulinarischen Schatz der Slawen und der Osmanen.

 

Als die Osmanen vor Prinz Eugen Reißaus nahmen, ließen sie zu unserem Glück Kipferl und Kaffee fallen. Die Wiener Kaffeehauskultur war begründet. Ob die dazugehörige Gemütlichkeit den Wiener oder Türken zuzurechnen ist, ergebe wohl eine lautstarke Kaffeehausdiskussion.

 

Aber auch der viel gerühmte Wiener Apfelstrudel hat seine Wurzeln im Orient. Teigfladen dünn ausziehen und mit Köstlichkeiten füllen ist bis heute die Grundlage von Baklavas.

 

Bereits 1696 also mitten in der 2. Türkenbelagerung erscheint in Wien das erste Strudelrezept in „Koch Puech : Ein Vortrefflich und Gerechtes Koch Puech, darinen bey 1350 Rahre und Kostbahre Speisen begreiffen Nemblichen vor aller Hand Pastetten und Dortten gebachenen Sulzen „

 

Mit der „cultural appropriation“ wurde also nicht mal gewartet, bis die Osmanen besiegt und diese keine Intellectual Property Rechtsansprüche mehr stellen konnten.

 

Strudel werden bis heute süß oder pikant gefüllt, gebacken, frittiert oder gedämpft.

 

Als unlängst unsere Kollegin Diana Štruklji aus Slowenien mitbrachte, war klar, das müssen wir machen. Klingt schweizerisch, schreibt sich aber sehr slowenisch. Geschmacklich zwischen Topfenstrudel und Kärntner Kasnocken wird der Strudel zuerst gedämpft und dann kross angebraten. Fantastisch.

Wir füllen sie mit Milchkefir-Käse, offerieren Sauerkraut als Begleiter, Speck und schwarze Nüsse… was braucht es mehr um in den Herbst einzusteigen…. Ein Glas Sturm (hamma!)

 


PS: wenn Sie das nächste Mal einen Rechtsschreibfehler in meinem Newsletter finden, seien Sie gnädig & schauen's wieviel der in dem Koch Puech gemacht hat... die Gastroszene versteht halt nix von Ortographie, dafür umso mehr von Orthogeusie!

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