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Sybaritismus


Dass das Schlaraffenland in Italien liegt, darauf kann man sich verständigen.

Auch die Antike verortete es dort. Geographisch am Stiefel gleich hinterm Fußballen, dort wo es am meisten kitzelt, lag Sybaris.

 

Die Griechen hatten dort den Grundstein gelegt und eine sehr migrations-freudige Politik ließ das Städtchen in kürzester Zeit zu einer luxuriösen Metropole heranschwellen.

 

Der antike Komödiendichter Metagenes weiß von Flüssen voller Käsekuchen und gekochter Rochen. „Von selbst gedämpfte Fischstücke kommen heran und gleiten in unseren Mund“. Das Running Sushi der Antike! Länder, wo Milch und Honig fließen, eine Lachnummer dagegen.

 

Die den Sybariten zugeschriebene Erfindung der Badewanne und die erste Lärmschutzverordnung runden das Bild vom Gluxus vollends ab.

Kochrezepte wurden patentiert, um die kulinarische Vormachtstellung zu halten.

 

So viel Spaß und Völlerei war für die Nachbarn „intolerable“. Dem Sprichwort folgenden „wer sich mästet, wird bald geschlachtet“ wurde Sybaris vor 2.500 plattiert. Dass was dort heute wieder wächst, wäre besser im Erdboden geblieben.

Erhalten aber blieb ein reicher kulinarischer Schatz, der auch heute noch nachklingt.

 

Nduja ist keine süd-kalabresische Mafiagruppierung, sondern eine fermentierte Wurstspezialität aus Schweinbauch und Chili. In warmen Gegenden wird bei Fleischfermenten gerne Chili beigefügt. Das für die Schärfe verantwortliche Capsaicin verhindert böse Bakterien.

 

Der aufmerksamen Essenshistoriker bemerkt hier natürlich, dass Nduja schon auf Grund der in der Antike nicht verfügbaren Chilis keinen antiken Ursprung haben kann. Aber ich sage Ihnen, den Sybariten hätte sie geschmeckt & sie hätten sie auch patentieren lassen.

 
 
 

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